
Das Gel�chter der Geschlechter
Scherzkommunikation im gyn�kologischen und geburtshilflichen Bereich III
Wer macht die Witze?
Derjenige, der in einer bestimmten Situation Humor initiiert, gibt den "Startschuss" daf�r, den institutionell vorgegebenen Kontext der ernsthaften Behandlung gewisser Themen zu verlassen.
Dieser "Jemand" nimmt eine bestimmte Position im Beziehungsgeflecht ein: allgemein gesprochen sind diejenigen, die in der Autorit�tshierarchie eine hohe Position innehaben, in einer besseren Ausgangslage daf�r, den �bergang von einem ernsten in einen humoristischen Rahmen einzuleiten.
Unsere statistische Analyse spa�iger Bemerkungen, die deren Verteilung in Abh�ngigkeit vom Status in der Krankenhaushierarchie zeigt, f�hrte zu �hnlichen Ergebnissen wie sie Coser in ihrer Studie darlegte:
Tendenziell machen Statusniedrige weniger Scherze.
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Die wenigsten Scherze kommen von den Patientinnen und ihren Partnern
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etwas mehr von Schwestern
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h�ufiger scherzen Hebammen (falls anwesend)
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am h�ufigsten �rzte und �rztinnen (falls anwesend).
Wir betonen dieses "falls anwesend", weil Scherze und Witzeleien, die Teil der kommunikativen Struktur zwischen den AkteurInnen sind, davon abh�ngen, wer daran teilnimmt. Wenn bestimmte Schwestern, die daran gew�hnt sind, untereinander Scherze zu machen, dies in Anwesenheit der �rzte nicht tun, hei�t das nicht, dass sie auf einmal ihren Sinn f�r Humor verloren haben, sondern eher, dass in dieser besonderen Beziehung Scherzverhalten nicht Bestandteil ihrer untergeordneten Rolle in dem asymmetrischen Arrangement ist.
Als Beweis daf�r dient eine unserer Beobachtungen, wonach die wenigen witzelnden Bemerkungen, die von Statusniedrigeren an Statush�here adressiert waren, von den Anwesenden nicht gew�rdigt wurden, sondern ohne ein Lachen still unter den Tisch fielen.
Die Position der Person, die die scherzhafte �u�erung macht, hat aber nicht nur mit institutioneller Hierarchie, sondern auch mit kulturellen Rollen zu tun. Die Rolle der Schwestern zum Beispiel ist sowohl von der institutionellen Hierarchie abh�ngig als auch von der kulturellen Rolle der Frau. Die Tatsache, dass ihr Sinn f�r Humor, der unter anderen Umst�nden klar zutage treten kann, in bestimmten anderen Situationen nicht zum Vorschein kommt, liegt an dieser Koppelung, welche bedingt, sich den Anspr�chen der patriarchalen Sozialstruktur zu unterwerfen.
In unserer Kultur fordert diese Struktur von Frauen Passivit�t und Rezeptivit�t: M�nner machen die Witze, und Frauen lachen dazu.
Allgemein ausgedr�ckt wird das Scherzen von Frauen in hierarchischen Strukturen, in denen die Gefahr besteht, dass m�nnliche Autorit�t in Frage gestellt werden k�nnte, missbilligt.
Dies trifft f�r den Krankenhausbereich generell und f�r Entbindungsstationen im besonderen zu. Auf diesen Stationen wird die medizinische Definition der Situation st�ndig von der sexuellen bedroht und die medizinische deshalb gegen�ber der sexuellen fortw�hrend durch Gesten und Rituale verst�rkt und best�tigt, welche den Charakter der dort ablaufenden Handlungen und Beziehungsmuster klarstellen sollen.
�rzte (die oft die einzigen m�nnlichen Anwesenden auf einer Entbindungsstation sind) definieren sich als die Vertreter der Wissenschaft, denen die Gesellschaft das Geburts-Management �bertr�gt.
Vom zahlenm��igen Standpunkt aus sind sie unter den Hebammen, Schwestern und werdenden M�ttern eine Minderheit; sie verst�rken ihre Rolle und Position also in besonderem Ma�, um der drohenden potentiellen Unterwanderung dieser gesellschaftlichen Ordnung gegenzusteuern.
Die lebensspendende Macht der Frau ist, obwohl mittlerweile m�nnlich kontrolliert, immer eine lauernde symbolische Bedrohung. Die kulturelle Rollendefinition wird durch die hierarchisch-institutionelle betont und gest�tzt; daher k�nnen sich rangh�here �rzte mehr Freiheiten erlauben, was das Initiieren und �u�ern von Scherzen betrifft.
Die Person, die scherzt verringert in mancher Hinsicht die soziale Distanz zwischen den Anwesenden. Aus diesem Grund wird in einem Machtkontext der Scherz in der Regel von einem/r Statush�heren initiiert, der/die die Autorit�t besitzt, diese Distanz zu verkleinern. Wie Goffman (1956) beobachtet hat, wird es als aggressiver Akt empfunden, wenn Untergebene witzeln. Tut es eine h�hergestellte Person, ist es eine verzeihliche Handlung.
Die letzte Sprosse auf der Hierarchieleiter der Entbindungsstation nehmen die werdende Mutter und ihr Partner, falls dieser anwesend ist, ein: im allgemeinen initiieren sie keine Scherze, und das nicht nur aus den offensichtlichen Gr�nden von Schmerz und Sorge. Es gibt ein paar wenige F�lle (selten und deshalb bedeutsam), in denen sie es tun: die Frau selbst, wahrscheinlicher aber ihr Partner, macht ein paar Witze, die sexuelle Anspielungen enthalten, wenn nicht das Personal solche schon gemacht hat.
Projektionsmechanismen sowie die Verinnerlichung von Autorit�tsstrukturen veranlassen die Frau oder ihren Partner, dieselbe Art Witze zu rei�en wie sie das Personal normalerweise macht.
Als Beispiel: Nachdem bei ihr ein Dammschnitt gen�ht wurde, wandte sich eine Frau mit den Worten l�chelnd an die �rzte: "Sie haben mich doch hoffentlich nicht ganz zugen�ht?" Ein Mann sagte zu seiner Frau, die �ber das N�hen klagte: "Sei doch froh, sie machen es wie neu!" Sie haben dieselben Denkmuster im Kopf.
Die Zielscheiben der Scherze
Witz enth�lt ein Element von Aggression, obwohl er sich nicht immer auf ein manifestes Ziel richten muss, das in der Situation identifiziert werden k�nnte. Dabei ist ihre (potentielle) Gerichtetheit von Bedeutung.
Denn die Zielscheibe des Humors enth�llt die Autorit�tsstruktur einer Gruppe, weil er die Rangordnung in der Gruppe reflektiert und reproduziert.
Scherzen hat eine Art in der Hierarchie nach unten zielenden Schneeballeffekt. [Ist allgemein in patriarchalen Gesellschaften zu beobachten, Anm. HV]
Aus diesem Grund liefert die werdende Mutter, die auf der letzten Stufe der Rangleiter steht, am h�ufigsten die Zielscheibe der vom Personal gemachten Scherze.
Witzeleien, die nach unten an die Statusniedrigeren weitergegeben werden, st�tzen die Statusstruktur insgesamt, w�hrend eben diese durch Witzeleien, die in die Gegenrichtung zielen, in Frage gestellt werden k�nnte.
Scherze im Bezug auf H�herstehende wurden nur gelegentlich w�hrend unserer Forschungen beobachtet und bewirkten fast nie einstimmiges Gel�chter unter den Anwesenden.
Eine tief unten auf der Hierarchieleiter stehende Person "darf" einen Scherz machen, wenn er oder sie sich selbst oder eine noch niedriger stehende zur Zielscheibe macht.
Tats�chlich richten sich die Scherze werdender M�tter gegen sich selbst, die der Hebammen gegen Patientinnen, Schwestern und j�ngere Hebammen etc.
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