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Leitfaden für geschlechtergerechtes Formulieren 




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Geschlechtergerechte Sprache in der Praxis


Inzwischen hat sich anstatt 'geschlechtsneutraler Sprache' oder 'Frauensprache' der Begriff 'geschlechtergerechte Sprache' eingebürgert.

Regeln

 

> Solange Frauen und Männer nicht gleichwertig in Texten behandelt werden, stellen Sie Frauen an die erste Stelle, da die Reihenfolge in der Sprache meistens die Rangordnung angibt.

  • Beispiel: Georg und Karin haben sich zum Essen verabredet. => Karin und Georg haben sich zum Essen verabredet.


> Übereinstimmung von Geschlecht und Grammatik.

Benennen Sie Frauen immer mit femininen, Männer immer mit maskulinen Personenbezeichnungen.
Beispiele:

  • Melanie ist noch Schüler. => Melanie ist noch Schülerin.
  • Doktor Müller hat eine Praxis eröffnet. => Doktorin Müller, hat eine Praxis eröffnet.
  • Gewerkschaftssekretär Inge Schmidt besuchte die Veranstaltung.
    => Gewerkschaftssekretärin Inge Schmidt besuchte die Veranstaltung.
  • Simone ist Fachmann auf dem Gebiet der Datenverarbeitung.
    => Simone ist Fachfrau auf dem Gebiet der Datenverarbeitung.

> Nennen Sie Frauen explizit. Nur so fühlen sie sich wirklich gemeint und angesprochen.

Bisher:

  • Jeder Deutsche hat das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Aber:

  • Jeder siebte Deutsche geht zu einer Dirne.

Deshalb:

  • Der Inhaber dieses Ausweises ist Mitglied des Betriebsrates.
    => Die Inhaberin oder der Inhaber dieses Ausweises ist Mitglied des Betriebsrates.
  • Bitte geben Sie den Beruf des Vaters an. => Bitte geben Sie den Beruf der Mutter und/oder des Vaters an.
  • Sie ist Pilot. => Sie ist Pilotin.

Und:
Forcieren Sie die feminine Form mit "-in"

  • weibliche Manager = Managerinnen

> Lassen Sie sexistische Ausdrücke einfach weg.

Ausdrücke, die Frauen als minderwertig bezeichnen, sie "klein machen", sie auf ihr Äußeres reduzieren oder sie sonst wie aufgrund ihres Geschlechts diskriminieren, streichen Sie ersatzlos.

  • Skimädchen = Skifahrerinnen
  • Tennisdamen = Tennisspielerinnen
  • Hausmädchen = Hausangestellte
  • Spülmädchen = Spülhilfe
  • Serviertöchter = Serviererinnen
  • das schwache Geschlecht = Frauen
  • die holde Weiblichkeit = Frauen
  • weibisch = weiblich
  • Weibergeschwätz = Geschwätz
  • Emanzen = Feministinnen

> Der Mensch, das Individuum, das Volk, der Erwachsene - mal sind Frauen mitgemeint, mal nicht.

Deshalb:

Beziehen Sie Frauen durch Splitting ein:

  • Amnesty International kümmert sich weltweit um Menschen, die gefoltert werden. => Amnesty International kümmert sich weltweit um Frauen und Männer, die gefoltert werden.

Sprechen Sie anstelle von Mensch explizit von Männern:

  • Mensch Meier, das hast du ja wieder toll gemacht. => Mann Meier, das hast du ja wieder toll gemacht.
  • Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Ketten.
    => Der Mann ist frei geboren und liegt doch überall in Ketten.

Manchmal kann eine radikale Feminisierung auf Klischees aufmerksam machen:

  • Der Mensch denkt, Gott lenkt. => Die Frau denkt, Göttin lenkt.
  • Das weibliche Mitglied => die Mitfrau
  • Verehrte Mitglieder ... => Verehrte Anwesende, liebe Mitfrauen und Mitmänner ...

Fremdwörter

  • Der Yuppie trägt sein Kind nicht im Tragetuch. => Die Yuppiefrau trägt ihr Kind nicht im Tragetuch.
  • Wenn ein Junkie schwanger wird, gibt’s meistens Probleme.
    => Wenn eine Junkie schwanger wird, gibt’s meistens Probleme.

Abkürzungen für Frauen

  • Sie ist ein Profi. = Sie ist eine Profi.
  • Der Vize = die Vize
  • Ein Juso = eine Juso-Frau
  • Heteros = Heteras (nach romanischem Muster)
  • Frau Dr. Müller = Frau Dr.in Müller
  • Prof. = Prof.in
  • Abs. = Abs.in
  • Hg. = Hg.in (Herausgeberin)
  • Dr. = Dr.in

Fräulein = (seit langem) Frau

Am Postschalter:

  • Fräulein, ich möchte eine 80er-Marke. => Frau Stangl, ich möchte eine 80er-Marke.

Oder:

  • Guten Tag, ich möchte eine 80er-Marke.

Im Restaurant:

  • Fräulein, zahlen bitte! => Frau Müller, zahlen bitte!

Oder:

  • Entschuldigung, zahlen bitte!

Oder:

  • Bitte zahlen!

(In den USA stellen sich Serviererinnen, und oft auch Verkäuferinnen, mit Namen vor - wie praktisch!)


> Gemischtgeschlechtliche Gruppen - nennen Sie Frauen und Männer ausdrücklich in der Doppelform (Splitting).

Verwenden Sie die Doppelform nicht nur am Anfang eines Textes, sondern im ganzen Text.

Warum? Damit deutlich wird, dass Sie als Schreibende an Personen beiden Geschlechts gedacht haben.

  • Am Sonntag sind 65 Autofahrer angezeigt worden, weil...
    => Am Sonntag sind 65 Autofahrerinnen und Autofahrer angezeigt worden, weil...
  • Was wir benötigen, sind Fachmänner. => Was wir benötigen, sind Fachfrauen und -männer.
  • Die Bauern wehren sich gegen die neue Umgehungsstraße.
    => Die Bäuerinnen und Bauern wehren sich gegen die neue Umgehungsstraße.

> Die Groß-I-Schreibung und die Groß-R/N-Schreibung

Ebenso wie die gesplittete Form drückt die Groß-I/R/N-Schreibung aus, dass mit einer Personenbezeichnung sowohl Frauen wie Männer gemeint sind. Sie hat zudem den Vorteil der Kürze.

  • Verkäuferin und Verkäufer = VerkäuferIn

Die Zusammenziehung der Doppelform erfolgt, indem der gemeinsame Wortstamm (Verkäufer) genommen wird.

  • Teilnehmerinnen und Teilnehmer => TeilnehmerInnen
  • Gastarbeiterin oder Gastarbeiter => GastarbeiterInnen
  • Wir suchen: kaufm. Angestellte oder Angestellten für unsere Personalabteilung.
    => Wir suchen: kaufm. AngestellteN für unsere Personalabteilung.
  • Angestellte und Angestellter => AngestellteR
  • Keiner weiß die Lösung => KeineR weiß die Lösung.

Aussprache der Groß-I/R/N-Schreibung

Die Zusammenziehung einer Doppelform entspricht Abkürzungen wie "z.B.", "bzw." oder "usw."
Beim Lesen genügt die Wahrnehmung der verkürzten Form, um deren Bedeutung zu erkennen. Beim lauten Vorlesen aber werden diese Abkürzungen automatisch in die Vollform zurückübersetzt.

Schriftlich:

  • Die SchwimmerInnen froren entsetzlich in dem schlecht geheizten Bassin.

Mündlich:

  • Die Schwimmerinnen und Schwimmer froren entsetzlich in dem schlecht geheizten Bassin.

Schriftlich:

  • Violetta R. und Dieter G. sind PatientInnen der Universitätsklinik.

Mündlich:

  • Violetta R. und Dieter G. sind Patientin bzw. Patient der Universitätsklinik.

> Ausweichen auf den Plural

Der Gebrauch der Personenbezeichnung in der Einzahl (Singular) wirkt manchmal unelegant, wenn die begleitenden Artikel, Adjektive oder Pronomen immer aufgesplittet werden müssen, wenn das Geschlecht der Person nicht bekannt ist (die/der SängerIn).

Lösung: Verwenden Sie statt der Einzahl die Mehrzahl (Plural). Im Plural sind die femininen und maskulinen Begleiter identisch.

  • Jeder Teilnehmer wird gebeten, zunächst sein Gepäck in dem für ihn reservierten Zimmer abzustellen.
    => Alle TeilnehmerInnen werden gebeten, zunächst ihr Gepäck in dem für sie reservierten Zimmer abzustellen.

Es bleibt nun Ihnen, den SchreiberInnen, überlassen zu entscheiden, wann sie welche Strategie zum nichtsexistischen Gebrauch von Personenbezeichnungen verwenden wollen.

Manchmal braucht es etwas Mut, ungewohnte Bezeichnungen zu benutzen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass es weder eine Dudenregel gibt, die die Verwendung der Doppelform verbietet, noch eine, die den Gebrauch der Groß-I/R/N-Schreibung als falsch deklariert.

Auch die totale Feminisierung der Sprache steht allen SprecherInnen und SchreiberInnen jederzeit zur Verfügung. Bei ihr müssen Sie sich lediglich auf mehr oder weniger heftige Reaktionen gefaßt machen.

Wenn Sie sich als Frau einen (Sprach)-Raum schaffen wollen, werden Sie immer wieder über "maskuline" Formulierungen stolpern, die es kreativ, also mit viel weiblicher Phantasie, zu überwinden gilt!

Hier einige Hilfen:

  • Jeder ist herzlich willkommen. => Alle sind herzlich willkommen.
  • Ich bediene einen nach dem anderen. => Ich bediene eine nach dem anderen. Oder: Ich bediene einen nach der anderen. Oder: Ich bediene eine Person nach der anderen.
  • Jeder Vierte weiß das schon lange. => Jede vierte Person weiß das schon lange.
  • Der eine isst gerne Kuchen, der andere bevorzugt ein Spiegelei mit Speck. => Die einen essen gerne Kuchen, die anderen bevorzugen ein Spiegelei mit Speck.
  • Niemand konnte das voraussehen. => KeineR konnte das voraussehen.
  • Jedermann muss Steuern zahlen. => Alle müssen Steuern zahlen.
  • Jemand von uns sollte einkaufen gehen. => EineR von uns sollte einkaufen gehen.
  • Wer von euch hat das getan? => WelcheR von euch hat das getan?
  • Wer das behauptet, der hat keine Ahnung. => Wer das behauptet, die oder der hat keine Ahnung.
  • Wenn jemand anruft, soll er es später noch einmal versuchen. => Wenn jemand anruft, soll sie oder er es später noch mal versuchen.
  • Wer hat seinen Lippenstift hier liegen gelassen? => Wer hat ihren Lippenstift hier liegen gelassen?
  • Wer kümmert sich um das Werkzeug? => Welche Frau kümmert sich um das Werkzeug?

> Spezialfall "man"

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, "man"-Sätze zu vermeiden.

a) Allgemeine Aussage, ohne bestimmtes Subjekt:

Hier können ein Passivsatz oder andere unpersönliche Konstruktionen verwendet werden.

  • Will man solche Sätze vermeiden, muss man grundlegend neu formulieren. => Sollen solche Sätze vermieden werden, muss grundsätzlich neu formuliert werden.
  • Man kann das auch so sehen. => Das kann auch so gesehen werden.

b) Bei auf Männer, bzw. auf Frauen zugeschnittenen Aussagen.

Hier bietet sich "mann" und in frauenspezifischen Kontexten "frau" an.

  • In Uniform fühlt man sich ganz anders. => In Uniform fühlt mann sich ganz anders.
  • Auf Reisen geht man viel häufiger in Nachtclubs als zu Hause.
    => Auf Reisen geht mann viel häufiger in Nachtclubs.
  • Ob man die Pille nehmen soll oder nicht, muß jeder selbst entscheiden. => Ob frau die Pille nehmen soll oder nicht, muß jede selbst entscheiden.
  • ODER: => Ob wir die Pille nehmen sollen oder nicht, müssen wir selbst entscheiden.
  • Man kann sich als Frau wirklich nur ärgern, wenn man diese Zeitungsmeldung liest. => Frau kann sich wirklich nur ärgern, wenn sie diese Zeitungsmeldung liest.
  • ODER: => Ich kann mich wirklich nur ärgern, wenn ich diese Zeitungsmeldung lese.

c) "Man"-Sätze kaschieren oft, dass die VerfasserInnen nicht genau wissen oder nicht sagen wollen, wer etwas tut oder wer angesprochen ist.

Durch das ersetzen von "man" durch andere Pronomen gewinnt der Test inhaltlich und wird klarer:
z.B. ich, du, wir, Sie (Höflichkeitsform).

Dadurch wird der Text persönlicher und ansprechender, was ja ohnehin von Vorteil ist!

  • Versucht man als Unternehmer kostengünstig zu wirtschaften, muss man ein klares Marketing-Konzept haben.
    => Versuche ich als Unternehmerin kostengünstig zu wirtschaften, muss ich ein klares Marketing-Konzept haben.
    Oder: Versuchen wir als UnternehmerInnen kostengünstig zu wirtschaften, müssen wir ein klares Marketing-Konzept haben.
  • Man sollte sich vermehrt Gedanken über die Umwelt machen.
    => Wir sollten uns vermehrt Gedanken über die Umwelt machen.
  • Wie gut das schmeckt, merkt man schon beim ersten Schluck.
    => Wie gut das schmeckt, merken Sie schon beim ersten Schluck.

> Satzbau

Um einen Text nicht diskriminierend zu formulieren, genügt es nicht, einzelne Wörter zu verändern oder allenfalls wegzulassen. In einem Text gibt es genauso sexistische Formulierungen wie im Wortmaterial, sie sind jedoch viel subtiler, als ein einzelnes frauenfeindliches Wort.

Wichtig ist, gewisse Strukturen wahrzunehmen und bewußt neu und anders einzusetzen.

Vielleicht scheinen folgende Punkte logisch und selbstverständlich, dennoch tragen sie wirkungsvoll zu einem nichtsexistischen Sprachgebrauch bei.

Es handelt sich um

1. Kongruenz (Entsprechung)

2. Empathie (Einfühlung, Perspektive)

3. Symmetrie (Ausgewogenheit)


> Kongruenz

Formulieren Sie so, dass alle sich auf weibliche Personen beziehenden Satzglieder auch weibliches Geschlecht haben. Und insbesondere, wenn Sie von sich selbst sprechen!

  • Mein Mann schätzt mich als Partner in unserer gemeinsamen Firma.
    => Mein Mann schätzt mich als Partnerin in unserer gemeinsamen Firma.
  • Sie ist Anwalt. => Sie ist Anwältin.
  • Frau Reichert ist unser bester Kunde. => Frau Reichert ist unsere beste Kundin.
  • Mein Töchterchen, der größte Charmeur, den ich kenne, hat seinen Willen wieder einmal durchgesetzt. => Mein Töchterchen, die größte Charmeurin, die ich kenne, hat ihren Willen wieder einmal durchgesetzt.
  • Das Mädchen hat seine Mappe vergessen. Deshalb musste es noch einmal zur Schule zurück. => Das Mädchen hat ihre Mappe vergessen. Deshalb musste sie noch einmal zur Schule zurück.

Werden maskuline Grammatikformen auf feminine Sachbezeichnungen anwendet, ist das zwar nicht "sexistisch", aber es spricht nichts dagegen, auch hier die Kongruenzregel konsequent anzuwenden.

  • Die Autoindustrie ist der beste Abnehmer für Kunststoffe. => Die Autoindustrie ist die beste Abnehmerin für Kunststoffe.
  • Die Firma XY ist der größte Arbeitgeber am Ort. => Die Firma XY ist die größte Arbeitgeberin am Ort.
  • Die Sicherheitsnadel war mir auf der Reise ein guter Helfer. => Die Sicherheitsnadel war mir auf der Reise eine gute Helferin.
  • Die Kirche war ein Hauptunterdrücker der Lesben und Schwulen. => Die Kirche war eine Hauptunterdrückerin der Lesben und Schwulen.
  • Die Polizei, dein Freund und Helfer... => Die Polizei, deine Freundin und Helferin...

OK, diese Beispiele diskriminieren keine, aber sie beinhalten und etablieren die gleichen Grammatikfehler wie Formulierungen, die Weibliches ausschließen oder großzügig männlich werden lassen.


Beim Leistungsvergleich ist oft nicht klar, ob es sich dabei um ausschließlich Frauen handelt oder um Frauen und Männer.

Zum Beispiel:

  • Marianne war die beste Schülerin unserer Klasse.

Ist Marianne nun die beste der Schülerinnen und Schüler oder die beste der Schülerinnen?

Da traditionellerweise feminine Formen ausnahmslos für Frauen verwendet werden, weil kein Mann sich mit einer femininen Bezeichnung angesprochen fühlt, auch wenn es grammatikalisch korrekt wäre, wird gewöhnlich die zweite Interpretation verstanden.

Die Verwendung einer femininen Personen- bezeichnung wird bei solch zweideutigen Zusammenhängen allgemein als einschränkend aufgefasst: wenn weibliche Grammatik, dann Frauen, für gemischte Gruppen würde ja männliche Grammatik verwendet.

Um dies zu ändern, braucht es nicht neue grammatische Strukturen, sondern eine Einstellungsänderung. Nur durch den häufigen Gebrauch des Femininums in einem Kontext, der klarstellt, dass die Bezugsgruppe aus Frauen und Männern besteht, wird diese Einschränkung aufgehoben.

  • Isabel Allende wurde zum Autor des Jahres gewählt. Julian Barnes lag mit zwei Stimmen hinter ihr. => Isabel Allende wurde zur Autorin des Jahres gewählt. Julian Barnes lag mit zwei Stimmen hinter ihr.
  • Sylvia B. ist unser bester Kunde. Keiner kommt so häufig vorbei wie sie. => Sylvia B. ist unsere beste Kundin. KeineR kommt so häufig vorbei wie sie.

Umformulierungen, die die Groß-I-Schreibung oder das Splitting zulassen, machen ebenfalls klar, dass es sich um Frauen und Männer handelt.

  • Sylvia B. ist unser bester Kunde. Keiner kommt so häufig vorbei wie sie. => Sylvia B. ist die beste unserer KundInnen. KeineR kommt so häufig vorbei wie sie.

> Empathie (Einfühlung, Perspektive)

Das diffuse Unbehagen beim Lesen vieler Texte, in denen Frauen "irgendwie nicht gleich wie Männer" vorkommen, lässt sich meistens auf die grammatische Struktur zurückführen: Männer sind die handelnden Subjekte und stehen im Empathiezentrum.

Frauen werden über Männer definiert (sie ist Ehefrau von..., Mutter von..., Freundin von..., usw.) und nehmen passive Rollen ein, sind Objekte von Handlungen anderer.

Beim Verfassen von nichtsexistischen Texten, auch bei Übersetzungen, ist es wichtig, sich dieser grammatischen Strukturen bewusst zu sein.

  • Michael Vonier und seine Ehefrau Hannelore verbringen jedes Jahr ein paar Wochen in den USA. => Das Ehepaar Hannelore und Michael Vonier verbringt jedes Jahr ein paar Wochen in den USA.
  • Marius und seine Freundin Lisa fanden endlich doch noch eine Wohnung. Nachdem sie den Mietvertrag unterschrieben hatten, nahm er sie zur Feier des Tages in ein teures Restaurant mit. => Lisa und ihr Freund Marius fanden endlich doch noch eine Wohnung. Nachdem sie den Mietvertrag unterschrieben hatten, feierten sie den Erfolg in einem teuren Restaurant.

Ein besonders krasses Beispiel ist der folgende Text. Es handelt sich um den Nachruf einer (fiktiven) Schriftstellerin. Obwohl sie das Thema des Artikels ist, wird sie nie in einer aktiven Rolle gezeigt und steht nie im Empathiezentrum.

  • Die phantasievolle Geschichtenerzählerin Lillianne Sommer war die Ehefrau des bekannten Juristen und Politikers Emil Sommer und Mutter von drei Kindern. Ihr erstes Buch wurde veröffentlicht, als sie schon über Vierzig war. Bis zu ihrem Tod letztes Jahr erschienen sieben Romane von ihr, schon der erste machte sie weltberühmt.

Die Perspektive der Frau, um die es geht, wird erst in der Umformulierung sichtbar:

  • Lillianne Sommer war eine phantasievolle Geschichtenerzählerin. Leider kennen wir von ihr nur die sieben Romane, die sie in ihren letzten Lebensjahren publizierte. Nach ihrem Studium eröffnete sie zusammen mit ihrem Mann, Emil Sommer, eine Rechtsberatung. Gleichzeitig zog sie drei Kinder auf - mehr oder weniger allein, da ihr Ehemann nicht nur juristisch, sondern auch politisch stark engagiert war. Kein Wunder, dass sie damals nicht die Zeit zum Schreiben hatte. Mit 43 veröffentlichte sie ihren ersten Roman und wurde damit weltberühmt.

Das Phänomen der Perspektivenfestlegung kommt nicht nur auf Satzebene vor. Es gibt auch einzelne Wörter, die bei einigen SprachbenutzerInnen ein ungutes Gefühl hervorrufen, ohne dass sie sagen könnten, was an diesen Wörtern nicht "stimmt".

Beim genaueren Hinsehen lässt sich oft feststellen, dass diese Wörter etwas oder eine Person aus einer Perspektive darstellen, die einseitig ist oder sich nicht mit der eigenen deckt.

Handelt es sich bei den Bezeichnungen um Dinge, wird diese Perspektivensetzung kaum als störend empfunden.

  • Beispiele: Die "Suppenschildkröte" würde sich selbst kaum so nennen, da sie sich nicht als Delikatesse für Menschen versteht.
  • Auch das "Unkraut" ist an sich kein "Unding", wir machen es dazu, weil es dort wächst, wo wir es nicht haben wollen.
  • Wahrscheinlich fühlen sich auch nur wenige "GastarbeiterInnen" als willkommener Besuch. Das Wort "Gast" bedeutet hier ja nur, dass sie die gleiche Arbeit leisten müssen wie ihre eingeborenen KollegInnen, aber weniger Mitbestimmungsmöglichkeiten haben.

Eine einseitige Perspektive kennzeichnet viele Wörter, die Tätigkeiten oder Körperteile von Frauen benennen, sowie Begriffe aus dem Bereich der Sexualität. In diesen Fällen ist besonders zuwider, dass die gewählte Perspektive durchweg männlich geprägt ist.

  • Ein typisches Beispiel von Männern definiert: "Freudenmädchen".

Was ist dieses Wort? Eine Bezeichnung für eine Frau.

Aber es bezeichnet nur die Funktion, die sie für Männer ausübt. Ihre eigene Perspektive wird unterschlagen. Ein "Freudenmädchen" bereitet weder sich noch anderen Frauen Freude. Für sie selbst ist Prostitution harte Arbeit.

Und außerdem: die Bezeichnung "-mädchen" für erwachsene Frauen wird ebenfalls vor allem von Männern benutzt.

Weniger offensichtlich, ständig gebraucht, aber sehr fragwürdig sind Äußerungen wie:

  • "Sie bekommt ein Kind von ihm."

Dieser Ausdruck klingt wie "Sie bekommt eine Waschmaschine von ihm." Der Satz impliziert, dass der Mann der Frau ein fertiges Produkt übergibt, zu dem sie nichts beigesteuert hat. Die Tatsache, dass die Frau neun Monate lang eine ordentliche körperliche Leistung vollbracht hat, damit das Kind überhaupt entstehen kann, wird verschwiegen (Oder vergessen?).

Der Beitrag des Mannes wird überbewertet, die Leistung der Frau wird ignoriert.


Ebenso abwertend und in ihrer Auswirkung noch gravierender sind einige Bezeichnungen für weibliche Geschlechtsorgane, zum Beispiel

  • die "Schamlippen"

Wofür müssen Frauen sich da schämen? Das Wort "Scham" hat denselben sprachlichen Ursprung wie "Schande"!
(Vorschlag: Venuslippen)

Viele Bezeichnungen sind auch nicht an sich "falsch" oder "schlecht". Erst in konkreten Texten sind sie mehr oder weniger unangebracht.


Die genannten Beispiele sollen anregen, den eigenen Blick für diese Dimension der Sprache zu schärfen und wenn nötig mit Phantasie und Kreativität einzelne Wörter zu ändern oder zu ersetzen.


> Symmetrie

Ein Grundprinzip des nichtsexistischen Sprachgebrauchs ist die Symmetrie. Realisiert wird dieses Prinzip in erster Linie durch Personenbezeichnungen, die Frauen und Männer gleichermaßen ansprechen.

Genauso wichtig ist es, auch inhaltlich symmetrische Angaben zu machen. Das heißt: Namen, Titel und Funktionsbezeichnungen für alle im Text vorkommenden Personen werden gleichwertig gebraucht.

  • Zum Empfang bitten wir Herrn Dr. Erich Schmidt mit Gemahlin. => Zum Empfang bitten wir Frau Dr.in Gundula Schmidt und Herrn Dr. Erich Schmidt.
  • Thomas Mann und Frau Katia lebten zeitweise in der Schweiz. => Thomas und Katia Mann lebten zeitweise in der Schweiz. Oder: Katia Mann und Thomas Mann lebten zeitweise in der Schweiz.
  • Die Seminare leiten Renate Fuchs, P. Gauter, Angela Kopp und K. Minke. => Die Seminare leiten Renate Fuchs, Peter Gauter, Angela Kopp und Klaus Minke.

 

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