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Erkennen von Widerstandsstrategien

Viele M�nner und Frauen setzen den Forderungen nach einem nichtsexistischen Sprachgebrauch massiven Widerstand entgegen.

Ver�nderungen, die sich um die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und M�nnern bem�hen, werden immer wieder mit denselben Argumenten angegriffen.


Wie wird das gemacht?

Bem�hungen zur sprachlichen Gleichbehandlung werden

  • ignoriert,
  • verleugnet,
  • abgewertet,
  • trivialisiert,
  • l�cherlich gemacht.

Es wird vor den vorgeschlagenen sprachlichen "�nderungen" gewarnt und davon abgeraten.

Beispiel

Ausschnitt aus einem Artikel in der S�ddeutschen Zeitung Nr.45, von Annette Ramelsberger, mit der �berschrift "Hauptberuflich Watschenbaum", �ber die Funktion von Gleichstellungsstelle und Frauenbeauftragter in M�nchen"

Text ab der Zwischen�berschrift:
"Das wirkt l�cherlich"

...Jetzt f�hlen sich viele Frauen von dem vor sich hergetragenen gro�en I der Berufsfrauen unangenehm ber�hrt und leisten nur noch emanzipatorische Pflicht�bungen.

"Wir achten darauf, dass wir immer einmal die weibliche und die m�nnliche Form in unseren Texten unterbringen", sagt etwa Bettina Hirschheiter, die Pressesprecherin der Stadtwerke.

"Aber wenn wir dauernd Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schreiben, machen wir uns doch jeden Text kaputt." Sie habe es nicht n�tig, sich �ber das gro�e I oder das "-innen" zu identifizieren. Wenn die Gleichstellungsstelle "solche Locken auf der Glatze kringelt", wirkt das l�cherlich." Auch Katharina Schuller, Marketingfrau bei den Badebetrieben, nervt der Versuch, die Sprache �ndern zu wollen. Doch sie hat auch Verst�ndnis daf�r, dass die Frauenbeauftragte provozieren, �berziehen mu�, um etwas auszul�sen....


Wie wird's gemacht?

  • Bettina Hirschheiter macht l�cherlich (Locken auf der Glatze) und wertet ab: "sie hat das nicht n�tig!"
  • Katharina Schuller wertet ab, indem sie der Frauenbeauftragten unterstellt, dass diese "�berzieht".
  • Die Zwischen�berschrift "Das wirkt l�cherlich" - von der Autorin bzw. der Redaktion ausgew�hlt, spricht f�r sich.

 

Wenn wir die Argumente der Gegnerlnnen kennen und ihre allgemeinen, sprach�bergreifenden Gesetzm��igkeiten durchschauen, k�nnen wir sie widerlegen, bzw. anders damit umgehen.

So gelingt es uns eher, auf einer sachlichen Ebene �ber Sprachreformen zu diskutieren, falls wir uns �berhaupt darauf einlassen wollen und nicht einfach

  • Frauensprache schreiben und
  • Frauensprache sprechen.

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> Herabsetzen, Ignorieren und Leugnen

Ver�ffentlichungen, die sich kritisch mit dem bestehenden Sprachgebrauch und Sprachsystem auseinandersetzen, werden oft pauschal als unwissenschaftlich erkl�rt. Mit einem nicht genauer bestimmten R�ckgriff auf sogenannte sprachwissenschaftliche Autorit�ten wie Grammatiken, W�rterb�cher oder (�ltere) Publikationen wird der Gebrauch von nichtsexistischen Ausdrucksweisen als falsch erkl�rt.

Den feministischen Sprachwissenschaftlerinnen wird unterstellt, dass sie nicht nur voreingenommen seien, sondern auch noch unpr�zise und fl�chtig arbeiteten. Vorschl�gen zu einem alternativen Sprachgebrauch wird unterstellt, sie verletzten irgendeine Grammatikregel.

Dabei ignorieren die Kritikerlnnen bewusst, dass es eine F�lle sprachlicher Variationen gibt. Sie �bergehen Zitierquellen, die gegenteiliger Auffassung sind, und verdr�ngen dabei, dass es sich oft um sprachliche Ph�nomene handelt, die nicht eindeutig erkl�rt oder gar begr�ndet werden k�nnen.

Hinweise auf fr�here Sprachstufen sollen ihre Behauptungen st�tzen. Dabei wird au�er acht gelassen, dass sich Sprache st�ndig ver�ndert!

Ganz allgemein werden die Erkenntnisse der feministischen Sprachwissenschaft als subjektiv, ideologisch und falsch erkl�rt, ohne dass sich die Kritikerlnnen �berhaupt die M�he machen, klare Gegenargumente anzuf�hren.


> L�cherlichmachen

Bei fehlenden inhaltlichen Argumenten wechseln die KritikerInnen die Strategie.

Sie versuchen die vorgeschlagenen Alternativen durch �bertreibung l�cherlich zu machen. Sie stellen Behauptungen auf, die so nie von den Sprachreformerinnen vorgeschlagen wurden.
Sie konstruieren neue unm�gliche Wortformen oder rei�en einzelne Beispiele aus ihrem Zusammenhang.


> Beschwichtigen und Trivialisieren

Gegnerlnnen beharren darauf, dass sprachliche Reformen in bezug auf die Ver�nderung der gesellschaftlichen Verh�ltnisse bedeutungslos sind.
Sie leugnen oder trivialisieren den Zusammenhang von Sprache und Gesellschaft.

Die Verfechterlnnen dieser Strategie erkennen zwar an, dass gewisse sprachliche Erscheinungsformen als Sexismus interpretiert werden k�nnen. Die sprachliche Diskriminierung aber bedeute f�r Frauen kaum einen sozialen oder psychologischen Nachteil. Mit etwas gutem Willen k�nne frau sich dar�ber hinwegsetzen.

Betont wird, dass es wichtigere Dinge gibt als die "empfindsame Nabelschau der Frauen".

Sprachkritik sei eine Krankheit der Wohlstandsgesellschaft und verleite Frauen dazu, die wirklichen Probleme zu �bersehen. Frauen sollten sich lieber f�r eine �kologische Umwelt, f�r die Befreiung der Unterdr�ckten und f�r die Besserstellung der wirklich Ausgebeuteten einsetzen.

Mit diesen Argumenten wird eine Scheinalternative aufgebaut und so getan, als ob wir uns nicht gleichzeitig mit mehreren Problemen besch�ftigen k�nnten.

Mit jovialem L�cheln erkl�ren M�nner, dass alles nur halb so schlimm sei.

Momentan w�rden sie zwar noch ihren kritisierbaren Sprachgebrauch beibehalten, dies sei aber keineswegs Ausdruck einer chauvinistischen Haltung. Nein, dazu seien ihnen die Frauen viel zu wichtig.


> Abraten und Warnen

Die Vertreterlnnen dieser Taktik erkennen zwar prinzipiell die Forderungen nach sprachlicher Gleichbehandlung von Frau und Mann an. Aus verschiedenen Gr�nden aber sehen sie sich gezwungen, die sprachlichen Reformen vorl�ufig noch nicht zu verwenden und andere Sprachben�tzerlnnen vor deren Gebrauch zu warnen.

Sie weisen darauf hin, dass die vorgeschlagenen nichtsexistischen Ausdrucksweisen gewissen, oft nicht pr�zisierbaren Prinzipien von sprachlicher Korrektheit oder irgendwelchen �sthetischen Anforderungen nicht gen�gen.

Die Alternativen seien zu umst�ndlich, zu lang und stilistisch nicht zu verantworten.

Manche akzeptieren die Reformvorschl�ge, weisen aber mit resigniertem Achselzucken darauf hin, dass es in ihrer momentanen T�tigkeit leider nicht m�glich sei, die Reformen auch durchzufahren.

Sogenannte sensibilisierte Schreiberlnnen schlie�lich lehnen die Reformvorschl�ge unter Hinweis auf die Redefreiheit ab. Sie beharren auf ihrem Recht, so zu sprechen, wie sie es f�r richtig halten.
Sie setzen den nichtsexistischen Sprachgebrauch mit der Selbstaufgabe ihrer sprachsch�pferischen Kreativit�t gleich.

Sexistischer Sprachgebrauch kann aber ebensowenig wie rassistische oder antisemitische Formulierungen mit der Freiheit der Rede verteidigt werden.

Einzelne Feministinnen raten vom Gebrauch nichtsexistischer Alternativen ab, weil sie �berzeugt sind, dass damit nur an der Oberfl�che gekratzt wird.
Sie sind der Ansicht, dass Frauen auf formaler Ebene so erfindungsreich sein k�nnen, wie sie wollen - das sich selbst organisierende Sprachsystem m�nnlicher Vorherrschaft wird dadurch nicht wirklich ins Wanken gebracht. Frauen w�rden sich also zu Mitt�terinnen machen.

Diese Kritik hat sicher ihre Berechtigung. Sie vernachl�ssigt aber die Tatsache, dass auch mit kleinen Schritten auf der formalen Ebene patriarchale Denkmuster durchbrochen und ver�ndert werden k�nnen.


> Die totale Feminisierung

Die totale Feminisierung wandelt alle maskulinen Personenbezeichnungen in feminine um, sofern sie sich in irgendeiner Form auf Frauen beziehen.

Dies gilt auch dann, wenn die maskuline Personenbezeichnung nur ein Teil des Wortes ist.
Das bedeutet, dass das genetische Maskulin durch ein genetisches Feminin ersetzt wird.

Ein total feminisierter Text sieht folgenderma�en aus:

  • Herr Meister und Frau Wegm�ller sind unsere beiden �ltesten Mitarbeiterinnen.
  • F�r die m�nnlichen Sch�lerinnen f�llt heute die Turnstunde aus.

Die totale Feminisierung ist eine in erster Linie politische Antwort auf ein politisches Problem. Sie reagiert auf den Einwand, dass die teilweise Feminisierung zu "unertr�glichen Schwerf�lligkeiten" f�hre.

Sie ist einfach die konsequente Umsetzung der Idee, dass das st�ndige Miterw�hnen der M�nner unzumutbar ist.

Die totale Feminisierung ist der Versuch einer radikalen und konsequenten Sprachpolitik, die den M�nnern nicht nur auf die Nerven gehen, sondern ihren Nerv treffen will.

Erst die Erfahrung, nur mitgemeint zu sein, l�sst manche M�nner auf die Problematik aufmerksam werden. Auf Grund dieser Erfahrung sind M�nner m�glicherweise eher bereit, bei der Entwicklung einer f�r beide Geschlechter gerechten und bequemen Sprache mitzuarbeiten.


> Die totale Feminisierung entspricht der Strategie der Machtlosen.

Frauen nehmen nicht l�nger R�cksicht auf die Interessen ihrer Unterdr�cker.

Sie konzentrieren ihre Energie auf die eigenen Anliegen. Frauen verweigern sich dem absurden Anspruch, ihre Rechte einzufordern, ohne dabei die Privilegien der M�nner anzutasten.

Obschon wir die totale Feminisierung nicht generell empfehlen, m�chten wir f�r ihren sporadischen Gebrauch werben.

Sie leistet auf der Ebene der Sprachpolitik �hnliches wie spektakul�re feministische Aktionen. Sie sichert einen hohen Aufmerksamkeitsgrad und sorgt f�r un�berh�rbare weibliche Pr�senz.


�berwiegend wurden die Beispiele und Umsetzungsm�glichkeiten f�r die Praxis dem Buch
"�bung macht die Meisterin" * von Susanna H�berlin, Rachel Schmid, Eva Lia Wyss �bernommen.

* Zum Bestellen: anklicken


 

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