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Gleichstellung von Frauen und M�nnern in der Sprache
Empfehlungen der Redaktion des Duden
Von Birgit Eickhoff (�Sprachspiegel� 1/99)
Die Frage der Gleichstellung von Frauen und M�nnern in der Sprache oder � anders gesagt � der sprachlichen Gleichbehandlung von Frauen ist eines der wichtigsten Themen f�r alle, die sich in irgendeiner Weise mit Sprache auseinander setzen.
Entsprechend betrifft ein gro�er Teil der Anfragen an die Sprachberatungsstelle der Dudenredaktion diesen Komplex.
Auch der �Sprachspiegel� hat sich schon mehrfach diesem Thema zugewandt � 1997 war es sogar Schwerpunktthema des Hefts 3 mit f�nf Aufs�tzen sowie recht ausf�hrlichen Literaturangaben. Das gro�e Interesse der Leserinnen und Leser zeigt sich an der Zahl der Leserbriefe, von denen einer (vgl. Heft 5/97, S. 207) den [fr�heren] Standardbrief der Sprachberatungsstelle der Dudenredaktion wiedergibt und sich dar�ber hinaus sehr ausf�hrlich mit den Ausf�hrungen in unseren anderen Werken besch�ftigt.
W�rde Herr Klaus heute noch einmal an unsere Sprachberatungsstelle schreiben, m�sste er sich eine ausf�hrlichere Stellungnahme der Dudenredaktion nicht mehr selbst zusammensuchen, sondern er w�rde sie in Form eines Textes erhalten, der jetzt im Dudenband 91 abgedruckt ist.
Zwar w�rde er auch hier lesen, dass sich � zumindest aus bundesdeutscher Sicht � an der Rechtschreibwidrigkeit des gro�en I nichts ge�ndert hat, dar�ber hinaus w�rde er aber auch Hilfestellungen zur geschlechtergerechten Formulierung erhalten. Die Dudenredaktion betrachtet es als ihre Aufgabe, denjenigen Hilfestellung zu geben, die geschlechtergerecht und orthographisch korrekt schreiben wollen.
Zur Geschichte der sprachlichen Gleichstellung
Die ersten �Richtlinien zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs� erschienen bereits 19802. Hier ging es um so unterschiedliche Dinge wie die geforderte Nennung der jeweils weiblichen Form (Staatssekret�rin, Rechtsanw�ltin) und die Vermeidung der Anrede �Fr�ulein�, es wurden aber auch direkte gesellschaftsver�ndernde Anspr�che vertreten; das �gro�e I� wird in diesen Richtlinien noch nicht genannt.
Es scheint nun tats�chlich so zu sein, dass die Breitenwirkung der feministischen Sprachkritik mit eben jenem gro�en I einsetzte. Wurden die oben genannten Richtlinien au�erhalb feministischer Kreise noch wenig beachtet, so hat insbesondere die seit den Achtzigerjahren immer h�ufiger werdende Verwendung des gro�en I (wie in LeserInnen) dazu gef�hrt, dass die Problematik der sprachlichen Gleichstellung breit erkannt wurde � sei es auch nur deshalb, weil das gro�e I als Provokation verstanden und abgelehnt wurde.
Zeitungstexte, Lehrb�cher, Predigten, Formulare, Reden im Bundestag und weitere Textsorten k�nnen heute nicht mehr erstellt werden, ohne dass die Frage der angemessenen sprachlichen Ber�cksichtigung von Frauen gestellt wird. Um diese Frage sprachlich und orthographisch korrekt beantworten zu k�nnen, hat die Dudenredaktion die folgenden Empfehlungen erarbeitet.
Aspekte sprachlicher Gleichstellung aus Sicht der Dudenredaktion
Doppelnennung
Die h�flichste und eindeutigste Variante der sprachlichen Gleichstellung ist die Doppelnennung. Nicht nur, aber besonders in der pers�nlichen Anrede sollten die Doppelformen Leserinnen und Leser, Zuh�rerinnen und Zuh�rer heute Standard sein. In einer ausf�hrlichen Analyse der Wahlprogramme zur deutschen Bundestagswahl 1998 zeigte sich beispielsweise, dass die Parteien neuerdings um �W�hlerinnen und W�hler� k�mpfen und sich um �B�rgerinnen und B�rger� bem�hen; �geschlechtergerechtes Splitting hat sich au�er bei den Rechtsau�enparteien breit ... durchgesetzt�3.
Es soll hier durchaus nicht verschwiegen werden, dass die konsequente Doppelnennung auch Schwierigkeiten bereiten kann; sie wird besonders in gesprochenen Texten als anstrengend empfunden, und �viele Frauen, auch Linguistinnen, sprechen in Publikationen vom Sprecher, H�rer, Schreiber, Leser, von Sprachteilhabern, Informanten oder Kommunikationspartnern�4.
Eine m�gliche L�sung dieses Problems k�nnte darin liegen, die weiblichen Formen exemplarisch, aber nicht immer mitzunennen. So gibt es bereits Lehrb�cher, in denen in manchen Kapiteln die m�nnliche (der Sch�ler), in anderen nur die weibliche Form (die Sch�lerin) verwendet wird.
F�r diese Verwendungsweise schl�gt Ha�-Zumkehr den Terminus �Geschlechtsneutralit�t signalisierende Exemplarizit�t�5 vor. Die praktischen Grenzen einer ganz konsequenten Gleichstellung erf�hrt die Dudenredaktion schlie�lich selbst in ihrer Alltagsarbeit.
So k�nnten die weiblichen Formen in jeder Bedeutungserl�uterung erscheinen, die sich auf Frauen und M�nner bezieht; beispielsweise k�nnte ein Fu�g�nger�berweg bestimmt werden als �... Stelle, an der die Fu�g�ngerinnen und Fu�g�nger eine Stra�e �berqueren d�rfen�6. Nicht nur aus Platzgr�nden, sondern auch weil diese Form der Darstellung den eigentlichen Informationswert der Bedeutungserkl�rung nicht wesentlich steigert, verzichtet die Dudenredaktion auf solche weit reichenden Formulierungen.
Kurzformen
Bei h�ufigem Auftreten in Texten oder bei erforderter K�rze (z. B. auf Formularen) besteht oft das Bed�rfnis, die genannten Doppelformen verk�rzt darzustellen. F�r diese so genannte Sparschreibung gibt es mehrere Varianten, die allesamt nur als Schreibungen empfohlen werden. Beim lauten Lesen sollten die Kurzformen in Doppelnennungen aufgel�st werden.
Schr�gstrich
Nach den Rechtschreibregeln ist die Angabe mehrerer gleichberechtigter M�glichkeiten eine der Funktionen des Schr�gstrichs. Demnach bietet sich der Schr�gstrich auch zur verk�rzten Darstellung von Doppelformen an: Mitarbeiter/-innen. Der Auslassungsbindestrich steht dabei f�r das hinter dem Schr�gstrich Ersparte; die h�ufig anzutreffende Schreibung ohne den Auslassungsstrich ist also nicht korrekt. Au�erdem kann mithilfe des Schr�gstrichs nur verk�rzt geschrieben werden, wenn sich kein Vokal �ndert und wenn sich die W�rter lediglich in der Endung unterscheiden (also nicht bei: Arzt/�rztin, Bischof/Bisch�fin, Kollege/Kollegin). F�r letztgenanntes Beispiel bietet sich aber eine andere Kurzform an, n�mlich die Verwendung von Klammern.
Klammern
�hnlich dem Schr�gstrich k�nnen nach den Rechtschreibregeln gleichberechtigte M�glichkeiten in Klammern eingeschlossen werden, z. B. Mitarbeiter(in). Obwohl die Klammerform teilweise mit dem Argument abgelehnt wird, sie erwecke den Eindruck, die weibliche Form sei weniger wichtig als die m�nnliche, ist sie doch diejenige orthographische Variante, die die meisten M�glichkeiten bietet. Sie kann n�mlich auch im Wortinnern verwendet werden, z.B. Autor(inn)en f�r Autorinnen und Autoren, Kolleg(inn)en f�r Kolleginnen und Kollegen. Bei manchen gebeugten Formen kann sie sogar in den oben genannten F�llen verwendet werden, die eigentlich gar nicht verk�rzt dargestellt werden k�nnen, z. B. im Dativ von �rzt(inn)en, mit Beamt(inn)en.
Gro�es I
Wie bereits weiter oben erw�hnt, entspricht die Verwendung des gro�en I (auch Binnen-I) im Wortinnern weder den alten noch den neuen Rechtschreibregeln. Eine Verwendungsweise wie MitarbeiterInnen kann deshalb von der Dudenredaktion nicht empfohlen werden. Zudem sollte beachtet werden, dass diese Formen zwar sehr h�ufig verwendet, ebenso h�ufig aber auch abgelehnt werden und bei bestimmten Beh�rden und Institutionen ausdr�cklich verboten sind. Begegnet das gro�e I in einem vorzulesenden Text, so sollte es wie oben erw�hnt in die Doppelform aufgel�st werden; die gebr�uchliche Aussprache als �Mitarbeiterinnen� sollte nur in informellem Sprachgebrauch verwendet werden.
Kurzformen im Singular oder Plural
Die Verwendung von Kurzformen im Singular ist besonders schwierig, da bei den femininen und maskulinen Formen Artikel, Adjektive und Pronomen nicht �bereinstimmen. S�tze wie �Jeder Mitarbeiter, der mit dem Auto kommt, muss f�r seinen Parkplatz bezahlen/jede Mitarbeiterin, die mit dem Auto kommt, muss f�r ihren Parkplatz bezahlen� k�nnen nicht sinnvoll verk�rzt werden. Es empfiehlt sich deshalb immer zu pr�fen, ob ein Ausweichen auf den Plural m�glich ist: �Alle Mitarbeiter(innen), die mit dem Auto kommen, m�ssen f�r ihren Parkplatz bezahlen.� Wenn ein solches Ausweichen nicht m�glich ist, bleibt nur die ungek�rzte Doppelnennung, z. B. Durchschrift f�r die Kundin/den Kunden.
Bei der pluralischen Verwendung gibt es dagegen folgende M�glichkeiten:
- Die feminine Form wird durch Anh�ngen von -innen gebildet. Hier sind alle Kurzformen m�glich, z. B. Lehrer/-innen.
- Die maskuline Form hat eine Endung, die sich in der femininen wiederholt. Hier kann nur mit der Klammerform verk�rzt werden, z. B. Kolleg(inn)en.
- Maskuline und feminine Formen haben unterschiedliche Endungen, z. B. Beamte � Beamtinnen, �rzte � �rztinnen. Es h�ngt von der Beugung ab, ob eine Kurzform m�glich ist oder nicht.
- Die feminine Form hat gegen�ber der maskulinen einen Umlaut, z. B. Bauern � B�uerinnen. In diesen F�llen kann nicht verk�rzt geschrieben werden.
Ersatzformen
Will man die Doppelnennung generell vermeiden, so bietet sich eine Vielzahl von Ausweichm�glichkeiten an. Partizipien wie Studierende, Lehrende, Gew�hlte, Verwitwete finden inzwischen breite Verwendung. Auch Sachbezeichnungen statt Personenbezeichnungen sind m�glich: Leitung (statt Leiterin oder Leiter), Lehrkr�fte (statt Lehrerin oder Lehrer), Mandantschaft (statt Mandantinnen und Mandanten). Schlie�lich k�nnen auch Adjektive vermehrt verwendet werden, z. B. �rztlicher Rat (statt Rat der �rztin/des Arztes).
Besonders in Zusammensetzungen, deren Bestimmungswort aus einer Personenbezeichnung besteht, empfiehlt es sich, auf eine Ersatzform auszuweichen. Beispiele sind: Studierendenvertreter(in), Redepult (statt Rednerpult), Wahlverzeichnis (statt W�hlerverzeichnis).
Auch aus Sicht der Dudenredaktion gilt f�r das gesamte Problem der sprachlichen Gleichstellung: Der Kreativit�t der Formulierenden sind (au�er den orthographischen) keine Grenzen gesetzt!
Anmerkungen
1 Richtiges und gutes Deutsch. Zweifelsf�lle der deutschen Sprache von A bis Z. 4. Aufl. 1997. � Bezug auf weitere Aspekte sprachlicher Gleichstellung nehmen folgende Artikel dieses Bandes: � Anzeigen (3); Kongruenz (3.1); man (2) [zum Pronomen frau]; -mann/-frau; Titel und Berufsbezeichnungen (3).
2 Linguistische Berichte 69 (1980).
3 Ulrike Ha�-Zumkehr: Eine Bl�tenlese der Wahlprogramme zur Bundestagswahl 1998. In: Sprachreport 3/98, S. 5.
4 Gerhard Stickel in: Brunner, Margot/Karin M. Frank-Cyrus (Hrsg.): Die Frau in der Sprache. Gespr�che zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch. Wiesbaden: Gesellschaft f�r deutsche Sprache 1998. S. 79.
5 Vgl. oben, S. 5.
6 (Nach Duden � Das gro�e W�rterbuch der deutschen Sprache, Bd. 3, S. 1196.)
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