Loading

Einführung
Praktische Anwendung
Geschlecht zählt
Mediensprache
Strategien
Die Humorlüge
Neue Studien

Download
Leitfaden für geschlechtergerechtes Formulieren



Subscribe to RSS headline updates from:
Powered by FeedBurner

Geschlecht zählt im Gespräch!

Geschlecht bestimmt mehr als andere Faktoren unser Gesprächsverhalten.

Selten erleben wir weibliches Gesprächsverhalten bei Männern, selten männliches Gesprächsverhalten bei Frauen.

Es gilt ganz allgemein:

Nicht dem eigenen Geschlecht angepasstes Verhalten ist nicht geduldet, und schwere Beschimpfungen sind verfügbar für die, die solche Übertretungen wagen:
die Memme,
der weibische Mann,
das Mannweib,
die vermännlichte Frau.

Das gilt auch für das Gesprächsverhalten:

So

  • dürfen Männer aggressiv sein,
  • sie dürfen für ihre Ziele kämpfen,
  • sie dürfen gegen andere eintreten und
  • mit anderen streiten.
  • Sie dürfen sich im Extremfall schlagen, und sie
  • haben sogar eine Form der Auseinandersetzung eingerichtet, die es ihnen erlaubt, sich gegenseitig unter Einbeziehung Unschuldiger zu töten.

Männern und Jungen wird das Recht auf Aggressivität zugestanden, sei es physische oder verbale Aggressivität. Sie wird als positiv bewertet, fehlt sie, gilt das als Defizit.

Frauen dagegen ist es versagt, ihre Aggressionen und überhaupt "negative" Emotionen, wie gesunden Ärger und angemessene Wut, direkt und offen auszudrücken. Nicht nur dürfen wir unsere Aggressivität nicht motorisch abreagieren, wir dürfen sie überhaupt nicht zeigen! Auch verbales kämpferisches Verhalten ist verpönt.

Was heißt nun aggressives Gesprächsverhalten?

Es kann von unproduktiver negativer Kritik zu Ironie, Verhöhnung, lächerlich machen, Abwerten, Beleidigung, Beschimpfung, Fluchen, Toben und Schreien gehen. Große, ungehemmte Aggression ist häufig mit Lautstärke und mit Obszönitäten verbunden.

Sowohl aggressive Sprechhandlungen als auch laute und vulgäre Sprechweise sind Frauen gegenüber Männern nicht erlaubt.

Auch wo Männer Frauen verbal belästigen und beleidigen, können Frauen sich meistens nicht wehren, selbst wenn sie sich wehren könnten. Die schlimmsten Beleidigungen und Beschimpfungen sind obszöner Natur, und einmal gelungen, sind sie durch eine Antwort der Frau nicht mehr auszulöschen und auch schwer verbal zu übertrumpfen.

Aber selbst wenn eine Frau eine stärkere Erwiderung zur Hand hätte, kann sie sie in den meisten Situationen nicht äußern, weil die körperliche Gewaltreaktion des Mannes oder der Männer zu erwarten ist, die ihre Überlegenheit wieder herstellen müssen.

> Die verbale Vergewaltigung von Frauen gelingt deshalb im Prinzip immer; im Wissen um die Möglichkeit der Gewaltanwendung können Männer Frauen gegenüber beliebig aggressiv sein.

Als aggressive Frau zu gelten in einem Lehrerkollegium, in einer Fernsehdiskussion, in einer Parteiveranstaltung, im Freundeskreis ist negativ besetzt.
Eine aggressive Frau gilt als unattraktiv und außerordentlich unfeminin. Wenn eine Frau aber als Frau nicht akzeptiert wird, werden ihre Argumente, gleich, wie gut sie sein mögen, nicht ernst genommen.

Sie müssen nicht mehr diskutiert werden und werden nicht diskutiert, weil sie von einer stammen, die sich als Frau unmöglich gemacht hat.
Die Bestrafung für aggressives Gesprächsverhalten findet auf doppelter Ebene statt: Die Sprecherin wird als Frau diffamiert und als Diskussionspartnerin diskreditiert.

Da wir Frauen um das Ausmaß der Bestrafung wissen, halten wir uns im allgemeinen an das Verbot, unterdrücken unsere aggressiven Bedürfnisse und Reflexe und nehmen damit die psychologischen Konsequenzen in Kauf, selbstzerstörerische Symptome aller Art zu entwickeln bis hin zu den verschiedensten Krankheiten.

Wir halten uns an das Verbot, und wir wenden das Verbot auch auf andere Frauen an!

Wie viel von unserer Definition von "Feminität" dient dazu, uns zu beteuern, dass Frauen zarte, damenhafte Kreaturen sind, die mann beschützen und nicht fürchten muss?

Frauen sind unaggressiv, nicht furchterregend, klein und schwach, Männer groß und stark, folglich werden Frauen von Männern beschützt, kontrolliert, dominiert. Die Konsequenzen, die sich aus diesen, uns von Männern zugeteilten Eigenschaften, für unser Gesprächsverhalten ergeben, sind von ungeahnter Stärke und Rigidität!

Es sind Regeln, die kaum zu durchbrechen sind, auch wenn wir uns noch so sehr bemühen.

Beispielsweise ist die Regel, Männer dominieren zu lassen, für uns Frauen eine ungeheuer starke Regel, die wir kaum je aufgeben können!

Wir gestehen uns nicht einen kurzen Sprechakt lang zu, einem Mann gegenüber dominant zu sein, beispielsweise ihn zu

  • informieren,
  • zu belehren,
  • zu korrigieren,
  • zu kritisieren,
  • negativ zu bewerten,
  • zu übertrumpfen,

d.h. einmal eine Äußerung lang mehr Macht zu haben als ein Mann.

Wenn Sie ein Beispiel möchten, sehen Sie sich irgendeine x-beliebige, gemischtgeschlechtliche Fernsehdiskussion an.

> Die weibliche Rolle tut uns Gewalt an, nimmt uns Energie, vergiftet unsere Psyche, kontrolliert unseren Intellekt, hindert unsere Kreativität.

Die weibliche Rolle wird auch sprachlich ausgedrückt und in Gesprächen bestätigt und gefestigt.

Sprachliche Änderungen, Akte der Neudefinition, frauenidentifiziertes Reden müssen von vielen Frauen in unzähligen Gesprächen praktiziert werden, bis ein Prozess, eine Entwicklung in Gang kommt und Sprache und Unterdrückung sich ändern.

 

Widerstandsstrategien erkennen
und abwehren: weiter