
M�nnliche Sprachform f�hrt zu geringem gedanklichen Einbezug von Frauen
Neue Studien belegen die Notwendigkeit des geschlechtergerechten Sprachgebrauchs
B�rger oder B�rgerin ?
Nun wurde wissenschaftlich best�tigt, was Feministinnen schon lange kritisieren: Die rein m�nnliche Sprachform schlie�t Frauen aus Gerade hatten Schreib- und Sprachformen wie "PilotInnen" oder "Piloten/innen" Eingang gefunden in Texte, Dokumente und Politikerreden.
Doch immer �fter k�ndigen Autoren jetzt schon im Vorwort an, dass in ihrem Text "aus Gr�nden der besseren Lesbarkeit nur die m�nnliche Sprachform verwendet wird" - womit der Versuch einer sprachlichen Umstellung nach und nach wieder zur�ckgedr�ngt wird. Das ist eine Entwicklung, die Frauen aufhorchen lassen sollte, denn die Sprachform beeinflusst die Vorstellungen �ber die beschriebene Person. Dies haben die Wissenschaftlerinnen Dagmar Stahlberg und Sabine Sczesny von der Universit�t Mannheim nun in mehreren Studien nachgewiesen (Psychologische Rundschau, 3/2001).
In einem ersten Experiment baten sie 46 m�nnliche und 50 weibliche Studierende in einem Fragebogen um Auskunft �ber ihre pers�nlichen Meinungen und Vorlieben. Der Fragebogen lag in drei Sprachversionen vor: W�hrend in Version 1 nur die m�nnliche Sprachform ("generisches Maskulinum") verwendet und beispielweise nach dem "liebsten Romanhelden" gefragt wurde, fanden in die anderen Fragebogenversionen alternative Sprachformen Eingang.
In Version 2 wurde die geschlechtsneutrale Formulierung "liebste heldenhafte Romanfigur" und in Version 3 eine Benennung der m�nnlichen und weiblichen Sprachform ("liebste Romanheldin, liebster Romanheld") verwendet.
Sowohl die weiblichen als auch die m�nnlichen Befragten nannten mehr weibliche Romanhelden, wenn die neutrale Form oder beide Geschlechter in den Fragestellungen auftauchten, als wenn die m�nnliche Form aus Version 1 gebraucht wurde.
"Die Assoziation mit m�nnlichen oder weiblichen Personen wird von der jeweils verwendeten Sprachform beeinflusst", deuten die beiden Forscherinnen diesen Befund.
Ein �hnliches Ergebnis erbrachte in einem zweiten Experiment die Aufforderung, drei Sportler, S�nger, Politiker oder Moderatoren zu nennen. W�hrend die Verwendung der m�nnlichen Sprachform vorwiegend zur Nennung m�nnlicher Personen f�hrte, wurden Frauen bei der Verwendung alternativer Formen gedanklich st�rker einbezogen, insbesondere bei der Sprachform mit dem "I " wie bei "SportlerInnen".
In einem weiteren Experiment fragten die Wissenschaftlerinnen in unterschiedlichen Sprachversionen 120 Studierende danach, wen sie den gro�en Volksparteien als Kandidaten oder Kandidatin f�r das Kanzleramt bei der n�chsten Bundestagswahl empfehlen w�rden. Auch bei diesem Experiment hatte die Sprachform einigen Einfluss auf die Nennungen. "Wurden beide Geschlechter angesprochen, so wurden zumindest f�r die SPD mehr weibliche als m�nnliche Kandidaten genannt", fanden die Forscherinnen heraus.
"In allen Studien f�hrte der Gebrauch der m�nnlichen Sprachform zu einem geringen gedanklichen Einbezug von Frauen", bringen Stahlberg und Sczesny ihre Ergebnisse auf den Punkt und best�tigen damit die feministische Argumentation. Die Forscherinnen nehmen an, dass alternative Sprachformen Reflektionen �ber die Geschlechterverteilung ausl�sen. Die m�nnliche Sprachform wird hingegen relativ automatisch verarbeitet, da sie in den meisten Sprachsituationen verwendet wird.

Quelle: Marion Sonnenmoser in PSYCHOLOGIE HEUTE, Februar 2002
|