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Leitfaden für geschlechtergerechtes Formulieren 




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Einführung


clear.gif (42 Byte)Geschlecht zählt.
Geschlecht bestimmt mehr als andere Faktoren unser Gesprächsverhalten.

Im Deutschen haben wir Grammatikregeln, nach denen jede maskuline Personenbezeichnung grundsätzlich doppeldeutig ist. Sie besitzt die Hauptbedeutung "Männer" und die Nebenbedeutung "Männer und/oder Frauen".

Was heißt das im Alltag?

> Frauen müssen bei jedem Satz über Personen nachdenken, ob sie mitgemeint sind oder nicht!

Eigentlich werden Frauen "negiert", ausgeschlossen, unter den Tisch fallen gelassen. Wenn's passt, können sie aber wieder hervorgezaubert werden.

Doppel-
deutige Ausdrücke:

Jeder

 

 

Dieser grammatische Trick des "Mitmeinen-Könnens" beschert uns Sätze wie

  • Jeder kann Papst werden. Das beste Beispiel bin ich selbst. (Papst Johannes XXXIII)

Wenn jeder "jeder Mensch" bedeutet, hat Papst Johannes XXXIII. entweder gelogen, oder aber er benutzte die frauen-negierende Bedeutung von Mensch bzw. jeder. Da der Papst unfehlbar ist, wird wohl letzteres der Fall sein.

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Jedermann

  • Jedermann ist der Sohn seiner eigenen Arbeit. (Smiles)

Ich weiß nicht, was sich Samuel Smiles bei diesem Spruch gedacht hat, aber er versteht unter jedermann eindeutig nur Männer.

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Mensch

Menschen

  • Alle Menschen werden Brüder.

Vielleicht werden aber auch alle Menschen Schwestern?

  • Man muss nie den Menschen nach dem beurteilen, was er geschrieben hat, sondern nach dem, was er in Gesellschaft von Männern, die ihm gewachsen sind, spricht. (Lichtenberg)

Lichtenberg hat bei diesem klugen Ausspruch garantiert an keine Frau gedacht.

  • Der Mensch ist nicht zum Single-Dasein geschaffen. Mehr als zwei Wochen hält er es ohne Frau nicht aus. (Anonym)

Mensch = Mann

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Wer

  • Wer ja sagt zur Familie, muss auch ja sagen zur Frau. (Helmut Kohl)

"Wer" muss männlich sein, denn ich traue Herrn Kohl nicht den universellen Gedankengang zu, dass es außer Hetero-Verbindungen noch etwas anderes gibt.

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Aber auch Herr von Goethe, obwohl ein Frauenfreund, ist von der typisch männlichen Sichtweise nicht frei:

  • Wer mit dem Leben spricht, kommt nie zurecht. Wer sich nicht selbst befiehlt, bleibt immer ein Knecht.

Dass eine Frau/Magd auch Ambitionen haben könnte steht nicht zur Debatte. Also ist mit dem Wörtchen "wer" ausschließlich der Mann gemeint.

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Schlagen Sie eine x-beliebige Zeitung auf und Sie werden viele weiterer Beispiele finden!

 

> Scheinbar neutrale Wörter sind traditionell männlich besetzt und können manchmal Frauen mitmeinen, die dann allerdings mit maskulinen Grammatikformen bezeichnet werden!

  • z.B. Jeder Deutsche über 18 darf wählen.

Da Frauen auch das Wahlrecht haben, müssen sie mitgemeint sein.

Diese Regel des Mit-Meinens gehört zum Grundbestand der deutschen Grammatik und trainiert alle diejenigen, die sie als Muttersprache erlernen, von Kindheit an gründlich in der geistigen Technik des Doublethink, insofern sie nahe legt, dass

  • Menschen Männer sind und Frauen einer anderen Spezies angehören (dies gilt vor allem dann, wenn von Privilegien die Rede ist)

  • Frauen auch Menschen sind, wenn es gerade passt (vor allem dann, wenn von unangenehmen Pflichten, Strafen usw. die Rede ist)

  • Frauen denjenigen Gruppen, denen sie faktisch angehören, nicht angehören.

Und so dürfen wir Frauen bei jedem Satz über Personen raten, ob wir wohl mitgemeint sind oder nicht.

Eigentlich sind wir zwar "nicht da", nicht präsent - wenn’s beliebt können wir aber doch schnell wieder hervorgeholt werden.

Vorurteile gegenüber Frauen bestimmen das Gespräch.

Mit Sprache sind ausgesprochen oder unausgesprochen Verhaltensweisen verbunden. Das heißt, Sprache und Handeln sind fest miteinander verschmolzen.

Wenn Frauen und Männer das gleiche tun und sagen, ist es noch lange nicht das gleiche!

Das haben wir alle schon beobachtet:

  • im Berufsleben, wenn Männer und Frauen das gleiche tun oder sagen und er als ehrgeizig und sie als aggressiv bewertet wird.

  • beim Autofahren, wo Männer und Frauen, wenn sie sich gleich verhalten, sie als furchtsam und er als vorsichtig gilt.

  • bei Beschwerden, wenn sie sich gleich ausdrücken, Männer als wütend und Frauen als vulgär gelten.

> Wenn das gleiche ein Mann tut oder sagt, wird es akzeptiert oder positiv bewertet, wenn es eine Frau tut oder sagt, wird es abgelehnt und negativ beurteilt.

Frauen können nicht nur durch gesprochene und geschriebene Sprache, sondern auch durch ein sexistisches Gesprächsverhalten diskriminiert werden.
Sie sind in öffentlichen und privaten Diskussionen eindeutig benachteiligt. Und zwar nicht nur durch das Gesprächsverhalten der anderen, sondern auch durch ihr eigenes.

Immer noch gibt es Unverbesserliche, die der Meinung sind, dass es gar nicht so schlimm stehe, denn Frauen würden im Gespräch sehr zuvorkommend und rücksichtsvoll behandelt.

Demgegenüber stehen Analysen von Wissenschaftlerinnen, die zeigen, wie stark die eigene Wahrnehmung und die Realität auseinander klaffen.

Untersuchungen haben ergeben:

  • die beteiligten Frauen haben effektiv viel weniger geredet als die anwesenden Männer. Das gilt für Talkshows, Diskussionen jedweder Art, überall, und auch vor Gericht, in Universitätsseminaren, beim Arzt und in Schulklassen, wo den Buben ca. 70% und den Mädchen ca. 30% der Sprechzeit überlassen wird.

  • Rednerinnen werden viel häufiger unterbrochen als Redner (sie müssen ständig hartnäckige Unterbrechungsversuche abwehren)

  • Frauen wird keine oder nur geringe Sachkompetenz unterstellt (Männer meinen ständig, Frauen - unnötige - Zusatzinformationen liefern zu müssen)

Achten Sie einmal spaßeshalber in Gesprächen mit Männern darauf, wie oft er Ihnen etwas erklärt, das sie wissen, anstatt darauf zu vertrauen, dass Sie gegen fragen, wenn Ihnen etwas unklar ist.

  • Frauen werden generell weniger wichtig und ernst genommen (Männer erlauben sich bei Frauen viel häufiger Zwischenbemerkungen, um sich selber zu profilieren oder sich auf Kosten der Frau lustig zu machen)

  • Rednerinnen werden mit echten oder rhetorischen Fragen aus dem Konzept gebracht, mit Unterbrechungen diskriminiert und belästigt.

Erstaunlicherweise kann folgendes Phänomen festgestellt werden:

> Je selbstsicherer emanzipierte Frauen auftreten, desto chauvinistischer reagieren die Männer!

So sehen sich die Frauen in einer Zwickmühle: Benehmen sie sich unterwürfig und unsicher, werden sie zwar nicht ernst genommen, aber auch nicht belästigt.

Sind sie selbstsicher und bestimmt, werden sie von den Männern respektlos behandelt.

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Frauen sprechen weniger oft, weniger lang, werden gestört, unterbrochen; sie können weder das Gesprächstempo noch das Thema bestimmen.

Sie sehen, wie wichtig es für unsere Teilnahme am gesellschaftlichen und ganz alltäglichen Leben ist, uns sprachlich präsent zu machen.

Viele Forscherinnen, Wissenschaftlerinnen und Linguistinnen haben bereits einiges geleistet, Sprache untersucht und Strategien für Frauen entwickelt, eine humane Sprache zu verwenden.


Frauensprache diskriminiert weder Frauen noch Männer, noch grenzt sie Frauen oder Männer aus.

 

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