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Eine Frau ein Wort


Gleichberechtigung in der Sprache

Die Frauenbeauftragte des Ostalbkreises im Landratsamt in Aalen:

Vor rund 150 Jahren haben Frauen in verschiedenen Ländern begonnen, Menschenrechte für sich einzufordern, die für ihre männlichen Mitmenschen längst selbstverständlich waren. Und sie haben einiges erreicht: Bei uns besitzen die Frauen

  • seit 1900 das Recht an der Freiburger Universität zu studieren,

  • seit 1908 das Recht sich parteipolitisch zu engagieren,

  • seit 1919 das Wahlrecht,

  • seit 1949 die Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz,

  • seit 1977 die Gleichheit bei der Zuständigkeit für Haushalt und Familie.

Und doch sind die Hoffnungen der Frauen zum großen Teil enttäuscht. Denn noch immer sind die Männer diejenigen, die die Gesellschaft gestalten und lenken, und nach wie vor gilt die untergeordnete Unterstützungs- und Zuarbeit im Haus, im Büro, in der Praxis und im Betrieb als Aufgabe der Frauen. Frauen haben Zutritt erhalten zu Privilegien und Rechten der Männer. Sie dürfen an der Universität studieren, sie können für Lohn arbeiten und sie dürfen Hosen tragen. Im Wesentlichen aber ist unsere Gesellschaft geblieben, was sie war:

ein einig Volk von BRÜDERN.

Nirgends zeigt sich das so deutlich wie in der Sprache:

  • "Die Männer der ersten Stunde"

  • "Der Glaube unserer Väter"

  • "Der Kunde ist König"

  • "Alle Menschen werden Brüder".

Wo wir hinsehen, finden wir männliche Bezeichnungen: der Eigentümer, der Bewerber, der Schüler, die Arbeiter, die Experten ... Frauen werden fast nie genannt, sie sind höchstens "mitgemeint".

Unsere Sprache zeigt, dass in unseren Vorstellungen immer noch die Männer die eigentlichen Menschen sind, diejenigen, die zählen. Frauen, die wie Männer anerkannt und respektiert werden wollen, nennen sich deshalb oft: der Staatssekretär Frau ..., der Minister Frau ..., der Bürger, der Partner statt Bürgerin, Partnerin usw.

Frauen sind in unserer Sprache unsichtbar.

Ist das eine Lappalie? KEINESWEGS!

Denn: DIE SPRACHE PRÄGT UNSER DENKEN.

Wussten Sie etwa, dass unter den "Vätern des Grundgesetzes" vier Frauen waren?

Denken Sie an Frauen, wenn von den Leistungen der "Männer der ersten Stunde" die Rede ist?

Fühlt sich eine Frau angesprochen und darf sie sich angesprochen fühlen, wenn in einem Inserat ein Verkaufsleiter oder ein Chefarzt gesucht wird?

Auch die Organisator(inn)en eines Ärztekongresses haben die Ärztinnen nicht mitgedacht, als sie ein Unterhaltungsprogramm "für die mitgereisten Damen" planten.

"In der Herrschaft durch Sprache ist ein Herrschaftsgrad von Menschen über Menschen erreicht, demgegenüber physische Gewalt geradezu harmlos ist."

(Helmut Schelsky*)

*) bekannter deutscher Soziologe

Damit dies nicht länger so ist,

  • damit Frauen in gleicher Weise wahrgenommen, ihre Leistungen gesehen und anerkannt werden,

  • damit Frauen im öffentlichen Leben so selbstverständlich werden wie Männer,

  • damit Frauen als eigenständige und eigenwertige Menschen und als aktiv handelnde gesehen werden,

  • damit Frauen ein neues Selbstbewusstsein, neue Vorbilder und neue Aussichten bekommen,

wollen wir die Sprachgewohnheiten ändern.

Helfen Sie mit!

Gebrauchen Sie weibliche Bezeichnungen, wenn Sie Frauen meinen. Gebrauchen Sie weibliche und männliche Bezeichnungen, wenn Sie Frauen und Männer meinen.

Ob in Ansprachen oder Referaten, in Stellenausschreibungen, in Vordrucken, in Artikeln und Aufsätzen, in Einladungen ... ob geschrieben oder gesprochen: Nennen Sie die Frauen ausdrücklich: Hörerinnen, Bürgerinnen, Wählerinnen, Studentinnen.

Finden Sie das zu umständlich?

Dann suchen Sie Umschreibungen oder Ersatzworte:

statt "die Teilnehmer" - "die Teilnehmenden"

statt "die Referenten" - " Es referieren"

statt "die Lehrerin und der Lehrer" - "die Lehrkräfte".

Oder: Sie gebrauchen auch einmal die weibliche Form für beide Geschlechter. Das gibt manch einem und manch einer einen guten Denkanstoß.

In schriftlichen Texten können Sie sich mit Schräg- oder Bindestrich helfen: Jede/r Antragsteller/in, den Leser(inne)n ...

Und bedenken Sie:

Eingefahrene Gewohnheiten zu ändern, ist anfangs immer unbequem und sehr beschwerlich. Das Ziel aber, eine fast vollkommen unbewusst ablaufende, aber sehr tief gehende Benachteiligung von Frauen abzubauen, ist diese Anstrengung wert. Und was Ihnen heute als komisch oder sehr mühsam erscheint, kann Ihnen morgen schon selbstverständlich sein (z.B. Worte wie "Kauffrau", "Fachfrau" ...)

Helfen Sie mit, damit Frauen in der Sprache sichtbar werden.


Entnommen aus dem Faltblatt "Eine Frau ein Wort"

Stadt Freiburg i.Br. - Stelle zur Gleichberechtigung der Frau -
Frauenbeauftragte des Ostalbkreises
Ingrid Krumm
Landratsamt Ostalbkreis
Stuttgarter Straße 41,
7080 Aalen,
Tel. 07361/503-322