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Das vibrierende Weib


von Luise F. Pusch

Die deutsche Sprache ist uns manchmal zu eng, manchmal zu weit - richtig passen tut sie selten. Sie ist ja auch nicht von/für uns gemacht.

Für erwachsene weibliche Personen gibt es gleich drei Bezeichnungen: Frau, Dame und Weib - für erwachsene männliche Personen hingegen nur zwei: Mann und Herr. 

Die Entsprechung für Weib fehlt bei den Herren. Sollen wir uns nun freuen über diese reichere Auswahl? Kaum - erstens ist Weib veraltet: wenn es benutzt wird, dann höchstens als Schimpfwort ("altes Weib", "Klatschweib", "Weibergeschwätz"). Zweitens ist es sächlich, und wir finden nun mal feminine Bezeichnungen netter für uns, weshalb wir auch das Fräulein abgeschafft haben (das Mädchen ist ein Fall, mit dem wir uns bald beschäftigen sollten/werden).

Obwohl nun das Substantiv Weib nicht mehr wie früher durch sämtliche Texte geistert, die von Frauen handeln, führen wir die Silbe weib doch beständig im Munde: weiblich und Weiblichkeit sind vermutlich neben Frau die in der Neuen Frauenbewegung hierzulande am häufigsten benutzten Wörter. Wir haben nämlich keine anderen. 

Die Ableitungsreihe für Mann heißt, schlicht und logisch: männlich, Männlichkeit. Für Frau dagegen heißt sie, kompliziert und unlogisch: weiblich, Weiblichkeit.

Fraulich und Fraulichkeit können wir nicht verwenden, weil ihre Bedeutung zu eng ist und von vielen noch dazu als negativ empfunden wird. Wohingegen weiblich und Weiblichkeit wertfrei sind, im Gegensatz zu Weib. Findet ihr noch einigermaßen durch? Die Verwirrung stifte nicht etwa ich, sondern sie ist System. Die deutsche Sprache als Frauen-Verwirr-System.

Schlägt frau die Wörterbücher auf, um sich über den Ursprung der Verwirrung aufzuklären, so wird sie dies Ziel nicht erreichen, aber sie kann erstaunliche Entdeckungen machen. (Mach dir ein paar vergnügte Stunden - schlag nach unter Weib!) Was die Herren da wieder an Überraschungen für uns parat haben, ist schon einzig. Es ist nämlich bis heute nicht geklärt, auf welche Wurzel das Wort zurückgeht. Deshalb sind der "wissenschaftlichen" Spekulation Tor und Tür geöffnet. Und die sieht, etwa im Fall des Duden- Herkunftswörterbuchs, so aus: 

Vielleicht gehen Weib und vibrieren auf dieselbe Wurzel zurück (olala!). Das Wei von Weib steckt auch in dem Wort Weide, wo es soviel wie "sich drehen, winden" bedeutet.

Und nun die zwingende Schlussfolgerung, Originalton Duden: 
"Weib würde demnach eigtl. 'die sich hin und her bewegende, geschäftige (Haus)frau' bedeuten."

Merke, oh Weib: Wenn frau sich schon bewegt, dann bitte nur im Hause und als Hausfrau.


Luise Pusch, Das Deutsche als Männersprache, edition suhrkamp, Frankfurt a.M. 1984, S. 165, Bestellmöglichkeit unter Literatur